Freitag, 8. September 2017

Finale in Kirchröttenbach

Tag 20: Freitag, 01. September 2017


Der wahrscheinlich letzte Morgen auf einem Campingplatz für diesen Urlaub brach an. Das Wetter lud nicht zu einem open-air Frühstück ein, also kuschelten wir uns dafür im Wohnwagen in die Sitzgruppe. 
Markus und die Kinder verschwanden anschließend zu einem kleinen Waldspielplatz in der Nähe, während ich in Ruhe anfing, aufzuräumen.


Einigermaßen ausgetobt kehrte meine Familie zurück und ich bekam noch Hilfe beim Leeren der Toilettenkassette. Da hält sich Markus immer gerne vornehm zurück, mir dagegen macht das nichts aus, daher ist das schon von Anfang an mein Job. Die Kinder sind recht interessiert daran, wie es kommt, dass man oben „gelb“ einfüllt und unten „grün“ rauskommt. Und wo ist eigentlich das Papier? Ich gehe nun nicht weiter auf Details ein, wer mehr wissen möchte, der melde sich gerne bei mir.
Einen Streit, wer die WC-Kassette zurück zum Wohnwagen fahren darf, konnte ich gerade noch vermeiden, in dem ich eine Doppelspitze bestimmte.


Jo, und dann starteten wir Richtung Kirchröttenbach, einem friedlichen kleinen Ort, in dem Markus´ Schwester Monika und ihr Mann Udo wohnen. Sie hatten einmal leichtsinnigerweise angeboten, die Kinder für ein paar Tage zu nehmen und die Premiere sollte gleich dieses Wochenende beginnen. Die Kinder freuten sich schon seit Tagen darauf, manchmal zweifelten wir schon, ob sie sich bewusst waren, dass sie bleiben und wir Eltern alleine weiter fahren. Ferdi brachte es heute auf den Punkt: Ätsch, wir haben noch länger Urlaub als ihr!
Da der Freitag für Nicht-Urlauber ein normaler Arbeitstag ist, vertrieben wir uns die Zeit noch damit, neue Schuhe für Luzi zu kaufen. Innerhalb weniger Monate war sie aus ihren zuletzt angeschafften Tretern herausgewachsen, wir landen mehr und mehr in der Damenabteilung bei Größe 37!
Außerdem hatte die junge Dame noch 2 EUR ihres Urlaubsgeldes übrig, über dessen Verwendung sie eine ganze Weile in einem Müller Markt nachdachte und sich schließlich für ein kleines Kärtchen entschied, auf dem ein Steintürmchen am Strand abgebildet ist. Das würde sie immer an den schönen Urlaub erinnern.
Eine Eisschlacht auf einem Rastplatz verbrannte (eigenartiger Begriff in diesem Zusammenhang) die restliche zu überbrückende Zeit: eine fast volle Eispackung, 4 Personen, 4 Löffel = 2 besonders zufriedene Kinder, 2 ob der sich in Grenzen haltenden Kleckereien erleichterte Erwachsene, eine leere Eispackung und 4 schmutzige Löffel. Ach ja, es wurde unendlich viel gegackert bei dieser Aktion!


Am frühen Abend bogen wir schließlich bei Schwägerin und Schwager in den Hof. 
Drei wunderschöne, ereignisreiche und entspannende Wochen Urlaub gingen für uns Eltern zu Ende. Die Kinder warfen sich sofort in Monikas und Udos Arme und, soviel sei noch verraten, ließen uns am nächsten Tag problemlos fahren.

Sommerurlaub 2017, es war schön mit Dir!

Donnerstag, 7. September 2017

Langenhagen

Tag 19: Do, 31. August 2017:


Frederike kam tatsächlich morgens vor ihrem ersten Kurs (sie ist mittlerweile Trainerin und bringt Mamas wieder in Form) auf nen Sprung auf dem Campingplatz vorbei. Das war schon richtig witzig! Obwohl wir uns ja nie begegnet sind und nur die Informationen haben, die wir online vor Jahren und ein bisschen auch heute noch geteilt haben, hätten wir vermutlich auch zwei Stunden statt nur 20 Minuten ratschen können. Sie düste wieder los und ich tat es ihr gleich, schlüpfte nochmal in die Laufschuhe und trabte erst durch den wunderschönen Wald der gleich gegenüber des Eingangs der „Roten Schleuse“ begann. Es erwartete mich federnder Laubwaldboden, sich verzweigende und wieder findende Wege die mich etwas ans Emmeringer Hölzl daheim erinnerten, und die Ilmenau, auf die ich immer wieder traf. Nach einer Weile, in der ich mich nach Gefühl bzw. Schönheit der Pfade orientierte, spuckte mich der Wald hinaus in eine Wohngegend. Deutsch-Evern, wie ich später auf dem Stadtplan herausfand. Nicht schlecht Herr Specht, da standen Häuser! Viel Backstein, mal gemütlich-katig, alt und eingewachsen, mal modern-stylish. Eines schöner als das andere, immer mit sehr gepflegten Gärten drumrum. Zwengs moderater Orientierungslosigkeit meinerseits kam ich doch auf 8km, so dass meine Familie, bis ich aus der Dusche kam, schon im Auto saß, komplett abfahrtsbereit.
Markus wollte wohl das nächste Ziel möglichst schnell hinter sich bringen, hatte ich ihm doch erst am Tag vorher offenbart, dass nicht die Ostsee sein größtes Zugeständnis werden sollte in diesem Urlaub, sondern ein Stop in Langenhagen bei Hannover. Dort existiert eine Art Magnet für Nähbegeisterte, der „Lillestoff“ - Lagerverkauf. Eine für ihre Spezialisierung für GOTS zertifizierte Bio-Stoffe bekannt gewordene kleine Firma.
Tapfer lenkte Markus unser Gespann in das Gewerbegebiet Langenhagens und ließ mich ohne großes Grummeln und Murren zwei Stunden durch Stoffballen wühlen. Die Kinder beschäftigten sich die meiste Zeit in der dem Nähcafé angeschlossenen Spielecke, suchten mit mir zusammen ein Stoffmitbringsel für Lilli aus und jeder auch einen Stoff für sich, aus dem ich ihnen etwas zaubern soll. 



Markus floh zwischendurch mal nach draußen, kehrte aber nach meinem Entwarnungsanruf auf einen Abschlußkaffee zurück und half mir dann sogar, meine Schätze zum Auto zu tragen.
Während der Weiterfahrt entschieden wir, dass Herzberg im Harz ein guter Ort für unsere wohl letzte Wohnwagenübernachtung sein könnte. Ein recht versteckt liegender Platz unter Bäumen, das „Blockhaus“ bot uns Platz. 



Die Tatsache, dass es regnete, wurde von den Kindern gnadenlos ausgenutzt und sie bestanden auf ihrem Recht, einen Film ansehen zu dürfen: Dschungelbuch, heisse Schokolade, alle glücklich.




Markus ging währenddessen eine Runde laufen und abends gönnten wir uns ein schönes Essen im liebevoll eingerichteten Restaurant am Platz.

Mittwoch, 6. September 2017

Lüneburg

Tag 18: Mi, 30. August 2017:


Strömender Regen. Genau so wie angesagt. Glücklicherweise habe ich einen weisen Mann, der die schlaue Idee hatte, schon gestern unseren „Vorgarten“, also Vordach, Stühle und Tisch einzupacken.
Auf diese Weise hielt sich die Arbeit morgens in Grenzen, und dennoch rollten wir erst am Spätvormittag vom Hof.
Als nächstes Ziel hatten wir Lüneburg ins Auge gefasst. Ich hatte vor einiger Zeit mal einen Bericht über diese offenbar sehr hübsche Stadt gesehen, und nun lag sie genau auf unserer Route zurück in den Süden.
Am frühen Nachmittag kamen wir bereits an einem stadtnahen Campingplatz an, dessen Rezeption zwar noch eine Stunde länger Mittagspause hatte, der allerdings über einen sehr hübschen Schwimmteich verfügte. 



Dort hüpften die Kinder ins kühle Nass, und es gab diverse Teilchen, u.a. Franzbrötchen, direkt aus der Bäckertüte.



Sobald wir unseren Stellplatz hatten bauten wir das Nötigste auf, machten die Räder startklar und fuhren die ca. 3km in die Innenstadt Lüneburgs.
Erster Stop: der Kurpark, ein sehr hübsches Fleckchen Grün, durch das wir uns auf dem weiteren Weg ins Zentrum hindurchschlängelten. Hier lugten zwischen Bäumen Trainingsgeräte für Freiluftsportler hervor, dort entdeckten wir ein Rondell, das zur Hälfte von einem überdachten Wandelgang eingefasst wurde und auf der anderen Seite über eine Bühne verfügte. Etwas weiter stand eine Art lange Wand aus Zweigen, kam man näher heran roch die Luft feuchter und salzig. 


Dieses Gebilde stellte sich als Gradierwerk heraus. Nie gehört? Ich bis dato auch nicht, also:
Unter der Stadt sprudelt eine Solequelle. Wenn dieses Solewasser heraufgepumpt wird und anschließend über eine aufgetürmte Wand aus Schwarzdornreisig rieselt, wird Zweierlei erreicht: die Sole wird konzentrierter, da auf dem Weg Wasser verdunstet und sogar Verunreinigungen am Reisig hängen bleiben. Außerdem gelangen durch das Tropfen über all diese Zweige kleine Soletröpfchen in die Umgebungsluft. Setzt man sich auf eine der in der Nähe aufgestellten Bänke entlang der fast 60m langen Reisigwand und atmet die solegeschwängerte Luft ein, ist das eine Wohltat für die Atemwege. Wieder was gelernt!



Kurze Zeit später erreichten wir die Fußgängerzone, stellten die Fahrräder ab und gingen zu Fuß weiter durch diese sehr, sehr hübsche Stadt. 



Ein zauberhaft schönes Haus neben dem anderen, Kopfsteinpflaster, kleine Gassen, nette kleine Lädchen. 




Wir stromerten nach einem Motivationseis für die Kinder weiter, orientierten uns etwas am Stadtplan, um zum Stintmarkt im Wasserviertel zu gelangen.



Ich hatte mich noch an den „Alten Kran“ erinnert, der dort an der Ilmenau steht und früher Lasten von und auf Schiffe gehievt hat.



Ach ja, Stint, so habe ich nachgelesen, ist ein kleiner heringsartiger Fisch, der früher mal sehr beliebt war und dort gehandelt wurde. Die Straßen rund um den Stintmarkt wimmeln vor Kneipen und Cafés, man kann wunderbar dort herumschlendern und es gibt überall etwas zu sehen. Ob das alte Schiff zu Fuße der breiten Treppe die zum Fluss hinunter führt oder die zwei Brücken, die einem eine schöne kleine Spazierrunde um diesen Markt ermöglichen.




Eine Skulptur, die drei Kinder beim Spielen zeigt, faszinierte die Kinder und sie vergaben spontan Rollen: 


eines der Mädchen war Luzia, der Junge natürlich Ferdi und ein weiteres Mädchen mit langen Haaren sollte Luzis Freundin Carla darstellen. Die Skulptur heißt übrigens „La vita e bella“ - das Leben ist schön.


Die Geländer gleich neben der Skulptur waren über und über mit bunten Liebesschlössern behängt und wurden von Luzia fasziniert bestaunt.


Nur ein paar Schritte weiter kann man neben Mark Twain Platz nehmen, der dort am Ende der Brausebrücke sitzt. Der war zwar nie in Lünbeburg, hat aber einen Fan dort, der sich eine solche Bronzefigur leisten kann und sie dann auch noch vom anderen Ende der Welt nach Deutschland transportieren lassen kann.



 Wir hatten uns mittlerweile eine Pause verdient und ließen uns im Café Anna bzw. vor dem Café an der Ilmenau nieder. Dort gab es die bisher einzigartigsten Menükarten, die ich bisher gesehen hatte. Die Bedienung kam mit einem Stapel Bücher, ganz normaler alter Bücher, in die die Blätter der Karte eingeklebt waren. Für die Kinder Kinderbücher, für die Erwachsenen z.B. Christian Morgenstern.


Hier hatte ich dann die Idee, eine Lüneburgerin anzuschreiben, die ich nur virtuell aus einem Internetforum, dem „Babyforum“ kenne. Dort hatten wir und andere Mädels uns vorm 5 Jahren die Wartezeit auf unsere Babys vertrieben, uns gegenseitig unsere Wehwehchen geklagt und uns füreinander gefreut.
Sie antwortete umgehend, kannte auch gleich unseren Campingplatz und wohnt nur wenige Minuten von dort entfernt. Leider musste sie am Abend arbeiten, wollte sich aber nochmal melden, wenn sie zu Hause ist.
Derweil navigierte Markus uns fast ohne Umwege zu unseren Fahrrädern zurück und wir traten den Rückweg an. Der wurde durch einen Sturz von Ferdi unterbrochen, der den Rest des Weges auf Papas Gepäckträger zurücklegte, was mir den Transport seines Fahrrades einbrachte. Mein rechter Arm sagte daheim dann herzlich Danke für die Last.
Bilanz am Wohnwagen: Ferdi blutete und heulte, Luzi was sauer auf ihren Vater, der ihrer Meinung nach zu spät gesagt hatte, wo abzubiegen war, weshalb sie falsch gefahren war, dann von ihm „angeschrien wurde“ oder so. Auf jeden Fall heulte auch sie. Ohmmmmmmmm....

Es kamen auch noch ruhige Momente, wir setzten uns sogar noch raus, holten uns superleckere Steinofenpizza im Restaurant am Platz und arbeiteten weiter daran, die Weissweinflasche zu leeren. Allerdings fing es bald zu regnen an und wir verzogen uns nach drinnen. Frederike, das Mädel das ich angeschrieben hatte, meldete sich nochmal, da war es aber schon sehr spät. Sie wollte auf jeden Fall noch irgendwie bei uns vorbeischauen, es wäre doch zu schade, wenn man zufällig so nah beinander ist und sich dann nicht sieht. Plan: sie besucht uns morgen vor der Arbeit auf einen kurzen Ratsch!

Lüneburg, ich hab mich a bisserl in dich verliebt heute 💓

Dienstag, 5. September 2017

Schwedeneck 7

Tag 17: Di, 29. August 2017:


Auf die Gefahr hin dass es langweilig wird (ich versuche mich kurz zu fassen): es wurde heute ein herrlicher, nein, noch herrlicherer Tag am Meer. 
Ein richtiger Sommertag, der sogar Markus´ strengen Kriterien stand hielt. 26 Grad, wolkenlos, glasklares ruhiges Meer.
Allerdings der letzte Tag hier. Also hieß es um so mehr genießen, genießen, genießen:


Den 11km Morgenlauf die Küste entlang



Eine "Seekuh" zu sichten

Das Schwimmen im spiegelglatten Meer


Den Kindern zuzusehen wie sie sich im Sand eingraben


Den Abschiedsspaziergang mit Luzi, um die letzten Meerglasstückchen zu finden



Nochmal den Grill anzuschmeißen

Die laue Nacht, in der man auch nach Sonnenuntergang noch mit einem Glas Wein am Meer sitzen kann



Danke Ostsee, es war sehr schön bei und mit dir!

Montag, 4. September 2017

Schwedeneck 6

Tag 16: Mo, 28. August 2017:


Heute brach schon unser 6. Tag an der Ostsee an, es stellte sich ein positives Gefühl der Routine ein und damit Entspannung. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, alles um uns herum entdecken zu müssen sondern konnte mir einen Tag nur am Wohnwagen bzw. am Strandabschnitt um die Ecke, mit einem Drink und einem Buch, hervorragend vorstellen.
Markus und Luzia radelten zum Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen. Ferdi und ich packten zum ersten Mal unsere Strandmuschel aus, die uns ein wenig vor dem Wind (der dann heute gar nicht da war) und der Sonne (die sich durchaus blicken ließ) schützen sollte. Wir stellten uns recht geschickt an und brachten die Muschel in angemessener Zeit und einer übersichtlichen Anzahl notwendiger Aufbaukorrekturen zum Stehen.


Ferdi buddelte fröhlich wie ein junger Hund im Sand. Ich lag auf der Picknickdecke und las mein Buch. Ferdi kam wie erwartet nach wenigen Minuten mit dem Wunsch, etwas zu essen. Ich war glücklicherweise vorbereitet und konnte ihn mit Prinzenrolle, Version Schokokeks, zufrieden stellen. Die Zeit verging, der Kekspegel sank und ich fing bereits an, mir zu überlegen, wie ich die bald geleerte Verpackung vor Luzi und Markus verstecken könnte um die friedliche Stimmung zu erhalten. Überraschenderweise waren sie schneller zurück als Ferdi auf dem Tütenboden und durften sich für den Radleinkauf auch noch ihre Belohnung herausfischen.
Zwischendurch verdeckten ein paar kleinere Wolken die Sonne und es wurde sofort etwas kühler. Bei einer massiveren Wolkenfront wechselten wir den Aufenthaltsort und zogen uns hinter die Düne an den Stellplatz zurück. Kaffee, Obst, bissl was Süßes auf dem Tisch machte Groß und Klein glücklich.
Luzi wünschte sich einen weiteren Strandspaziergang mit mir und rannte offene Türen ein. Im Anschluss verschafften wir uns einen Überblick über unsere bisherigen Meerglasschätze. 


Sie konnte sich da schon sehen lassen, unsere Sammlung! Beim Sortieren fiel erst auf, wie viele Grünschattierungen wir eingesammelt hatten neben weissen, orangenen und braunen Stücken. Im Sand sieht der einzelne Splitter erst einmal einfach grün aus.
Beide Kinder marschierten später noch voll motiviert mit mir den „Brombeerweg“ entlang, um abermals unser Schüsselchen zu füllen. 


Den schönsten Strauch entdeckten wir auf dem Weg zu einem Maisfeld, von dem wir ein paar Kolben fürs Abendessen mopsten. Direkt davor wuchsen die größten, glänzendsten und süßesten Brombeeren! Luzi und ich gerieten in eine Art Pflückexstase, bis die Beeren sich kaum mehr auf dem übervollen Schälchen halten konnten. 


Der Rückweg fühlte sich ein bisschen an wie ein Eierlauf, vor allem ein Stück Abhang durch den Wald. 


Die Kinder hopsten voraus, ich dagegen konzentrierte mich darauf, möglichste erschütterungsfrei über den Untergrund zu schweben. Tatsächlich hielten sich die Brombeerverluste in Grenzen.
Worüber ich bisher noch gar nichts erzählt hatte waren die Nachbarn, die wir seit wenigen Tagen hatten. Eines Tages kam ein Campingbus um die Ecke gefahren. Auf den zweiten Blick konnte man sehen, dass da noch irgendwas Kleines dranhing. Auf den dritten Blick erkannten wir, dass es sich bei dem Anhängsel um einen Wohnwagen handelte. Einen kleinen Wohnwagen. Sehr klein. Im „Werner“- Design. 


So lang wie unser Domizil breit ist. Wenn überhaupt. Klasse, genau mein Ding!


Die Eltern, die mit ihren drei Kindern aus dem Bus ausstiegen, erzählten uns später, dass dieser Anhänger einmal für den Wartburg gebaut wurde, später von einem Fiat 500 Fahrer gekauft und in dieser Konstellation sogar mehrmals über die Alpen zu Fiat Treffen gefahren war. Oder gekrochen. Aber immer angekommen.
Wir durften auch mal einen Blick ins Innere werfen, in dem sich immerhin der Schlafplatz für alle drei Kinder befindet sowie ein kleiner Schrank.

Und jeder, wirklich jeder, der von da an bei uns und unseren Nachbarn vorbeikam, reagierte auf das Kindchenschema des knuffigen Kleinen.

Sonntag, 3. September 2017

Schwedeneck 5

Tag 15: So, 27. August 2017:


Mein Töchterchen prüfte morgens erst einmal durchs Fenster, ob ihr Vater den Frühstückstisch zu ihrer Zufriedenheit vorbereitet hatte oder ob es sich bei seinem Ruf „Aufstehen, Frühstück ist fertig“ um eine Falle handelte. Möglicherweise wollte er sie ja noch einspannen. 



Dabei war bereits eine ganz andere kleine Gemeinheit geplant. Er hatte den IKEA-Wäschetrockneroktopus mit einem ihrer Schuhe gefüttert. Noch hielt er ihn nur in seinen Fangarmen...



Für mich war schon wieder Lauftag, der innere Schweinehund schlief noch fest und schon bald nach dem Frühstück war ich wieder unterwegs. Ich freute mich darauf, die letzte Strecke noch einmal zu laufen. 


Ich kam erneut ohne zu schwächeln an meinem Rastplatz mit der schönen Aussicht an, war aber zu neugierig, wie die Strecke weiter gehen würde und so lief ich noch einen Kilometer weiter, bis geradeaus eine Schlucht ohne Brücke und zum Meer hin ein steiler Abstieg zum Strand mich bremsten. Hier drehte ich dann auch wieder um.


Wieder am Wohnwagen hatte ich also 12 km geschafft und konnte einen sich anschließenden Gammeltag mit im Liegestuhl liegen, lesen, trinken, essen und lesen bestens mit meinem Gewissen vereinbaren.
Die Kinder wurden heute kaum bei uns vorstellig. Sie waren mit den Rädern zum Spielplatz gedüst, hatten dort eine neue Freundin aufgetan und waren nach einer Weile mit zu deren Dauercampingplatz weitergezogen. Sie brauchten uns so wenig, dass eher wir ab und an den Drang verspürten, nachzusehen, ob es ihnen gut geht. Immerhin hielt sie bei einer kurzen Stippvisite die auf dem Tisch stehende aufgeschnittenen Wassermelone eine Weile auf, bevor sie wieder abzwitscherten.
Am frühen Abend begleitete Luzia mich auf einen weiteren Strandspaziergang, hier unten nach erfolgreichem Seeglasfund.


Hatte ich schon einmal erwähnt, dass so ein endloses Schlendern am Meer, mal mit Sand zwischen den Zehen, mal durchs flache Wasser watend, mal den Kopf gesenkt auf der Suche nach Schätzen, mal den Blick in die endlose Ferne gerichtet, eine meiner Lieblingstätigkeiten ist? Und wie sehr ich mich darüber freue, dass Luzia das ebenso genießt wie ich?


Eine Möwenfamilie unterhielt uns über weite Strecken. Zunächst konnten wir das bettelnde Piepen von Jungtieren hören. Das hörte gar nicht auf. Wir suchten also nach dem oder den hilflosen Wesen und der dazugehörigen Rabenmutter, die sich lieber mal um ihre Brut kümmern sollte. Was wir schließlich entdeckten waren zwei Riesenbabys, fast schon runder als die Eltern und nur durch die noch grau-braune Gefiederfarbe von ihnen zu unterscheiden (wer findet auf dem Foto unten Elternteil und Baby?). 


Sie liefen, sie flogen, sie schwammen. Und bettelten. Und bekamen sogar noch was. Ich war nah dran, ihnen zuzurufen: Zischt ab, gönnt euren Eltern mal einen Abend zu zweit und fangt euch endlich euren eigenen Fisch!






Samstag, 2. September 2017

Schwedeneck 4

Tag 14: Sa, 26. August 2017:


Heute wurde Luzia ein Urlaubswunsch erfüllt. Ja genau, sie wollte unbedingt mal wieder zu IKEA. Meine Tochter, hihi. Obwohl das Wetter auch strandtauglich gewesen wäre, fuhren wir also nach Kiel und bummelten gemütlich durchs Möbelhaus. Genau 2 kleine Teile landeten auf dem Kassenband. Ein Oktopus aka Klappwäschehänger und ein kleines Schreibbüchlein für Luzi, in das sie die ersten Urlaubsgeldeuros von Oma Heidi investierte. Im Restaurant waren wir deutlich kauffreudiger.
Unser zweites Ziel für diesen Tag war Eckernförde. Die Friedmanns waren dort gewesen und hatten uns sogar noch mit Material für mögliche Unternehmungen dort ausgestattet. Zunächst bummelten wir am Strand entlang. Eine ganze Weile mit nörgelig-nervigem Gequengel von Luzi im Ohr, ihr sei kalt. Kalt. Es ist kalt. Mir ist so kalt. Es ist kahahalt.
Ferdi studierte inzwischen die Proportionen einer überdimensionalen Meerjungfrau.



Ich denke das blaue Spielschiff, das tatsächlich mal ein Fischkutter gewesen ist, markierte den Wendepunkt, plötzlich stieg die Laune auf weit über den Gefrierpunkt und von Frieren war nichts mehr zu hören. Nicht einmal, als es später tatsächlich kühl wurde. Kinder sind schon seltsame Kreaturen.



Am Ende des Strandbummels gab es erst einmal das von Luzi dringend benötigte Klo. Danach kurze Absprache mit den Jungs und dann ein ein Besuch im kleinen aber feinen Aquarium. Man konnte Modelle sehen wie z.B. den Querschnitt durch den Meeresboden der Ostsee mit all dem Getier, das sich dort – in angemessenem Abstand zur Oberfläche – herumtreibt. In kleineren Aquarien schwammen Baby-Plattfische umher bzw. buddelten sich etwas in den Sand, bis nur mehr die Augen herauslugten.



Auch größere Fische tummelten sich in weiteren Becken, alle Tiere dort stammen aus der Ostsee.
Das highlight stellte das große Streichelbecken dar. Hier konnte man Seesterne in die Hand nehmen, Schollen und Butte streicheln (wenn man sie fand), und sich im Krebse fangen üben, immer schön weit weg von den schnell zuschnappenden Zangen.



Rundherum wurden Kinder spielerisch an das Ökosystem Ostsee herangeführt mit z.B. Tiermodellen, Rätseln und kleinen Filmchen, die durch in der mit Meeresmotiven bemalten Wand eingelassene Taucherbrillen betrachtet werden konnten.
Ein separater, abgedunkelter Raum zeigte nachtaktives Getier und eine wunderschöne Qualle, die vor dunkelblauem Hintergrund majestätisch durchs Wasser schwamm, ihre langen Tentakel hinter sich herziehend.




Ein Stockwerk höher gab es die Möglichkeit, sich, in einen Strandkorb gekuschelt, verschiedene Reportagen über z.B. Krabben- oder Dorschfischer anzusehen.



Wieder draußen stolperten wir über diesen genialen Aschenbecherspender. So ein Teil sollte es an allen öffentlichen Orten geben, die besonders schön, deswegen gut besucht und meist besonders verdreckt sind. Kippen an Ort und Stelle fallen zu lassen scheinen die meisten Raucher für ihr gutes Recht zu halten.



Falls der Text auf dem Foto nicht gut lesbar ist: Hier können sich die Raucher eine Konservendose aus dem Spender ziehen, diese am Strand als Aschenbecher nutzen, die Kippen am Spender entleeren und die leeren Dosen oben wieder einwerfen. Das ist alles. Schlicht und genial.

Direkt ans Aquarium schloss sich ein in diesen Tagen stattfindender Künstlermarkt an. Süßkartoffelpommes und frische gemachte Kartoffelchips knabbernd bummelte es sich sehr angenehm. Ich fand an einem zauberhaften Stand mit Selbstgenähtem ein Geburtstagsgeschenk für meine bald dreijährige Nichte und für mich selber zwei Möbelknöpfe für das mittlerweile weiss gestrichene Holzbuffett.
Der Weg zurück zum Parkplatz führte durch kleine Gassen, über urig-holpriges Kopfsteinpflaster, vorbei an liebevoll dekorierten und bepflanzten kleinen Häuschen.
Vor einem saß ein richtiger Seebär auf einer Bank, daneben hing ein Kasterl mit einer handgeschriebenen Notiz: Stockrosensamen zum mitnehmen. Da wanderte auch schon ein Tütchen in meine Handtasche.




Zurück zu Hause bauten wir ruck zuck aus Semmeln vom Frühstück und dem, was der Kühlschrank so hergab, „Burger“ und die Brut wanderte nach Zähneputzstopp im Waschhaus satt und zufrieden ins Bett.