Tag 18: Mi, 30. August 2017:
Strömender
Regen. Genau so wie angesagt. Glücklicherweise habe ich einen weisen
Mann, der die schlaue Idee hatte, schon gestern unseren „Vorgarten“,
also Vordach, Stühle und Tisch einzupacken.
Auf
diese Weise hielt sich die Arbeit morgens in Grenzen, und dennoch
rollten wir erst am Spätvormittag vom Hof.
Als
nächstes Ziel hatten wir Lüneburg ins Auge gefasst. Ich hatte vor
einiger Zeit mal einen Bericht über diese offenbar sehr hübsche
Stadt gesehen, und nun lag sie genau auf unserer Route zurück in den
Süden.
Am
frühen Nachmittag kamen wir bereits an einem stadtnahen Campingplatz
an, dessen Rezeption zwar noch eine Stunde länger Mittagspause
hatte, der allerdings über einen sehr hübschen Schwimmteich
verfügte.
Dort hüpften die Kinder ins kühle Nass, und es gab diverse Teilchen, u.a. Franzbrötchen, direkt aus der Bäckertüte.
Sobald wir unseren Stellplatz hatten bauten wir das Nötigste auf, machten die Räder startklar und fuhren die ca. 3km in die Innenstadt Lüneburgs.
Erster Stop: der Kurpark, ein sehr hübsches Fleckchen Grün, durch das wir uns auf dem weiteren Weg ins Zentrum hindurchschlängelten. Hier lugten zwischen Bäumen Trainingsgeräte für Freiluftsportler hervor, dort entdeckten wir ein Rondell, das zur Hälfte von einem überdachten Wandelgang eingefasst wurde und auf der anderen Seite über eine Bühne verfügte. Etwas weiter stand eine Art lange Wand aus Zweigen, kam man näher heran roch die Luft feuchter und salzig.
Dieses Gebilde stellte sich als Gradierwerk heraus. Nie gehört? Ich bis dato auch nicht, also:
Unter der Stadt sprudelt eine Solequelle. Wenn dieses Solewasser heraufgepumpt wird und anschließend über eine aufgetürmte Wand aus Schwarzdornreisig rieselt, wird Zweierlei erreicht: die Sole wird konzentrierter, da auf dem Weg Wasser verdunstet und sogar Verunreinigungen am Reisig hängen bleiben. Außerdem gelangen durch das Tropfen über all diese Zweige kleine Soletröpfchen in die Umgebungsluft. Setzt man sich auf eine der in der Nähe aufgestellten Bänke entlang der fast 60m langen Reisigwand und atmet die solegeschwängerte Luft ein, ist das eine Wohltat für die Atemwege. Wieder was gelernt!
Kurze Zeit später erreichten wir die Fußgängerzone, stellten die Fahrräder ab und gingen zu Fuß weiter durch diese sehr, sehr hübsche Stadt.
Ein zauberhaft schönes Haus neben dem anderen, Kopfsteinpflaster, kleine Gassen, nette kleine Lädchen.
Wir stromerten nach einem Motivationseis für die Kinder weiter, orientierten uns etwas am Stadtplan, um zum Stintmarkt im Wasserviertel zu gelangen.
Ich hatte mich noch an den „Alten Kran“ erinnert, der dort an der Ilmenau steht und früher Lasten von und auf Schiffe gehievt hat.
Ach ja, Stint, so habe ich nachgelesen, ist ein kleiner heringsartiger Fisch, der früher mal sehr beliebt war und dort gehandelt wurde. Die Straßen rund um den Stintmarkt wimmeln vor Kneipen und Cafés, man kann wunderbar dort herumschlendern und es gibt überall etwas zu sehen. Ob das alte Schiff zu Fuße der breiten Treppe die zum Fluss hinunter führt oder die zwei Brücken, die einem eine schöne kleine Spazierrunde um diesen Markt ermöglichen.
Eine Skulptur, die drei Kinder beim Spielen zeigt, faszinierte die Kinder und sie vergaben spontan Rollen:
eines der Mädchen war Luzia, der Junge natürlich Ferdi und ein weiteres Mädchen mit langen Haaren sollte Luzis Freundin Carla darstellen. Die Skulptur heißt übrigens „La vita e bella“ - das Leben ist schön.
Die Geländer gleich neben der Skulptur waren über und über mit bunten Liebesschlössern behängt und wurden von Luzia fasziniert bestaunt.
Nur ein paar Schritte weiter kann man neben Mark Twain Platz nehmen, der dort am Ende der Brausebrücke sitzt. Der war zwar nie in Lünbeburg, hat aber einen Fan dort, der sich eine solche Bronzefigur leisten kann und sie dann auch noch vom anderen Ende der Welt nach Deutschland transportieren lassen kann.
Hier
hatte ich dann die Idee, eine Lüneburgerin anzuschreiben, die ich
nur virtuell aus einem Internetforum, dem „Babyforum“ kenne. Dort
hatten wir und andere Mädels uns vorm 5 Jahren die Wartezeit auf
unsere Babys vertrieben, uns gegenseitig unsere Wehwehchen geklagt
und uns füreinander gefreut.
Sie
antwortete umgehend, kannte auch gleich unseren Campingplatz und
wohnt nur wenige Minuten von dort entfernt. Leider musste sie am
Abend arbeiten, wollte sich aber nochmal melden, wenn sie zu Hause
ist.
Derweil
navigierte Markus uns fast ohne Umwege zu unseren Fahrrädern zurück
und wir traten den Rückweg an. Der wurde durch einen Sturz von Ferdi
unterbrochen, der den Rest des Weges auf Papas Gepäckträger
zurücklegte, was mir den Transport seines Fahrrades einbrachte. Mein
rechter Arm sagte daheim dann herzlich Danke für die Last.
Bilanz
am Wohnwagen: Ferdi blutete und heulte, Luzi was sauer auf ihren
Vater, der ihrer Meinung nach zu spät gesagt hatte, wo abzubiegen
war, weshalb sie falsch gefahren war, dann von ihm „angeschrien
wurde“ oder so. Auf jeden Fall heulte auch sie. Ohmmmmmmmm....
Es
kamen auch noch ruhige Momente, wir setzten uns sogar noch raus,
holten uns superleckere Steinofenpizza im Restaurant am Platz und
arbeiteten weiter daran, die Weissweinflasche zu leeren. Allerdings
fing es bald zu regnen an und wir verzogen uns nach drinnen.
Frederike, das Mädel das ich angeschrieben hatte, meldete sich
nochmal, da war es aber schon sehr spät. Sie wollte auf jeden Fall
noch irgendwie bei uns vorbeischauen, es wäre doch zu schade, wenn
man zufällig so nah beinander ist und sich dann nicht sieht. Plan:
sie besucht uns morgen vor der Arbeit auf einen kurzen Ratsch!
Lüneburg, ich hab mich a bisserl in dich verliebt heute 💓


















Die Liegls + Couturiers in Lüneburg - eine wirklich feine Wahl... Ja - Hamburg kennen wirklich alle, auch die Oberbayern, aber das Lüneburg ? Bezaubernde Fachwerkhäuser, sogar eine ganze Menge davon, Mark Twain, schönes Flair, viele nette Cafés ...prima, dass es immer noch nicht die Reise-Karawanen entdeckt haben. --
AntwortenLöschenAm 30.November wurde Mark Twain geboren, also 4 Tage nach Luzie. Und...natürlich deutlich früher als geplant, so wie Ferdi. - Seit er 21 Jahre alt war, hat Mark Twain als Lotse auf dem Mississippi-Dampfer als Lotse gearbeitet, wooow - einziger Fluss in der ganzen Welt mit 4 S. Oder 5. oder noch mehr...denn er war ja Mississippi-Flussschiffer (sind das 7 S ?).-
AntwortenLöschenOh Mann Udo, ich muss mir hier den Bauch halten vor Lachen :)
Löschen...hm, da war noch was: Tom Sawyer hat den Kopf voller Streiche, und heckt den ganzen Tag neue Abenteuer aus. Er ist Pirat und Fantast und hat einfach keine Zeit, in die Schule zu gehen. Ganz wunderbar 2011 verfilmt mit Louis Hofmann + Leon Seidel + Heike Makatsch + Benno Führmann in den Hauptrollen. - Darf man auf jeden Fall anschauen, wenn es mal regnet...
AntwortenLöschenAlles klar, Filmtipp ist notiert!
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