Montag, 4. September 2017

Schwedeneck 6

Tag 16: Mo, 28. August 2017:


Heute brach schon unser 6. Tag an der Ostsee an, es stellte sich ein positives Gefühl der Routine ein und damit Entspannung. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, alles um uns herum entdecken zu müssen sondern konnte mir einen Tag nur am Wohnwagen bzw. am Strandabschnitt um die Ecke, mit einem Drink und einem Buch, hervorragend vorstellen.
Markus und Luzia radelten zum Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen. Ferdi und ich packten zum ersten Mal unsere Strandmuschel aus, die uns ein wenig vor dem Wind (der dann heute gar nicht da war) und der Sonne (die sich durchaus blicken ließ) schützen sollte. Wir stellten uns recht geschickt an und brachten die Muschel in angemessener Zeit und einer übersichtlichen Anzahl notwendiger Aufbaukorrekturen zum Stehen.


Ferdi buddelte fröhlich wie ein junger Hund im Sand. Ich lag auf der Picknickdecke und las mein Buch. Ferdi kam wie erwartet nach wenigen Minuten mit dem Wunsch, etwas zu essen. Ich war glücklicherweise vorbereitet und konnte ihn mit Prinzenrolle, Version Schokokeks, zufrieden stellen. Die Zeit verging, der Kekspegel sank und ich fing bereits an, mir zu überlegen, wie ich die bald geleerte Verpackung vor Luzi und Markus verstecken könnte um die friedliche Stimmung zu erhalten. Überraschenderweise waren sie schneller zurück als Ferdi auf dem Tütenboden und durften sich für den Radleinkauf auch noch ihre Belohnung herausfischen.
Zwischendurch verdeckten ein paar kleinere Wolken die Sonne und es wurde sofort etwas kühler. Bei einer massiveren Wolkenfront wechselten wir den Aufenthaltsort und zogen uns hinter die Düne an den Stellplatz zurück. Kaffee, Obst, bissl was Süßes auf dem Tisch machte Groß und Klein glücklich.
Luzi wünschte sich einen weiteren Strandspaziergang mit mir und rannte offene Türen ein. Im Anschluss verschafften wir uns einen Überblick über unsere bisherigen Meerglasschätze. 


Sie konnte sich da schon sehen lassen, unsere Sammlung! Beim Sortieren fiel erst auf, wie viele Grünschattierungen wir eingesammelt hatten neben weissen, orangenen und braunen Stücken. Im Sand sieht der einzelne Splitter erst einmal einfach grün aus.
Beide Kinder marschierten später noch voll motiviert mit mir den „Brombeerweg“ entlang, um abermals unser Schüsselchen zu füllen. 


Den schönsten Strauch entdeckten wir auf dem Weg zu einem Maisfeld, von dem wir ein paar Kolben fürs Abendessen mopsten. Direkt davor wuchsen die größten, glänzendsten und süßesten Brombeeren! Luzi und ich gerieten in eine Art Pflückexstase, bis die Beeren sich kaum mehr auf dem übervollen Schälchen halten konnten. 


Der Rückweg fühlte sich ein bisschen an wie ein Eierlauf, vor allem ein Stück Abhang durch den Wald. 


Die Kinder hopsten voraus, ich dagegen konzentrierte mich darauf, möglichste erschütterungsfrei über den Untergrund zu schweben. Tatsächlich hielten sich die Brombeerverluste in Grenzen.
Worüber ich bisher noch gar nichts erzählt hatte waren die Nachbarn, die wir seit wenigen Tagen hatten. Eines Tages kam ein Campingbus um die Ecke gefahren. Auf den zweiten Blick konnte man sehen, dass da noch irgendwas Kleines dranhing. Auf den dritten Blick erkannten wir, dass es sich bei dem Anhängsel um einen Wohnwagen handelte. Einen kleinen Wohnwagen. Sehr klein. Im „Werner“- Design. 


So lang wie unser Domizil breit ist. Wenn überhaupt. Klasse, genau mein Ding!


Die Eltern, die mit ihren drei Kindern aus dem Bus ausstiegen, erzählten uns später, dass dieser Anhänger einmal für den Wartburg gebaut wurde, später von einem Fiat 500 Fahrer gekauft und in dieser Konstellation sogar mehrmals über die Alpen zu Fiat Treffen gefahren war. Oder gekrochen. Aber immer angekommen.
Wir durften auch mal einen Blick ins Innere werfen, in dem sich immerhin der Schlafplatz für alle drei Kinder befindet sowie ein kleiner Schrank.

Und jeder, wirklich jeder, der von da an bei uns und unseren Nachbarn vorbeikam, reagierte auf das Kindchenschema des knuffigen Kleinen.

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