Donnerstag, 31. August 2017

Schwedeneck 2

Tag 12: Do, 24. August 2017:


Markus nahm morgens ein schnelles Frühstück ein, denn Jan holte ihn bereits um halb 9h ab. Ich hatte noch nicht erwähnt, dass unsere Freunde bei der Hinfahrt schon bei Göttingen eine Panne mit ihrem Familienbus hatten und mit x Stunden Verzögerung und 2 Mietwägen (ein Bus war nicht zu bekommen) den Rest der Strecke zurückgelegt hatten.
Für die Rückfahrt war nun in Kiel ein ausreichend großer Bus bereit gestellt, und den holten die Jungs morgens ab.
Die Kinder und ich ließen es gemütlicher angehen und spazierten anschließend zum Ferienhäuschen. Wir wollten Melanie ein bisschen beim packen und aufräumen helfen, also z.B. die Kinder bespassen und z.B. aufpassen, dass die Zwillinge gepackte und zum Einladen ins Auto vor die Haustüre gestellte Taschen nicht gleich wieder ausräumten. 



Das ging weitgehend gut. 
Die großen Mädels arbeiteten eine Weile an einer Flaschenpost, die sie noch zu Wasser liessen. Sie werden allerdings nie eine Antwort erhalten, denn trotz Hinweis auf die Sinnhaftigkeit eines Absenders wollten sie darauf verzichten.
Die Jungs waren ebenfalls am spielen und machten nur wenig Blödsinn. Als gerade das obere Stockwerk fertig aufgeräumt und gesaugt war, fiel ihnen allerdings nichts besseres ein, als dort auf dem Sofa im Kinderzimmer eine Tüte Sesamcracker zu öffnen und diese in den Fleece-Kuschel-Meerjungfrauenschwanz von Ida einzufüllen. Und zwar ganz unten in die Flosse. Zumindest fast alles. Der Rest war auf Sofa und Teppichboden verteilt. Da brauchste Nerven!
Ein paar Stunden später war der Bus fertig (und voll) beladen, auch die letzte Tasche hatte wundersamerweise noch eine Lücke gefunden und auch alle Insassen hatten ein Plätzchen ergattert. Es hieß Abschied nehmen.
Wir hatten noch einen Haufen Lebensmittel geerbt und Luzi Idas stattliche Muschelsammlung. Markus bepackte damit sein Radl und fuhr heim. Die Kinder und ich wollten gleich noch den „Brombeerweg“ entlanggehen, sammeln und naschen. 



Auf dem Rückweg wanderten wir mit gesenkten Köpfen den Strand entlang auf der Suche nach Meerglas, besonderen Steinen und Muscheln. Luzis eigens kreierte Sammeltütentragetechnik werden wir zum Patent anmelden und einen Welterfolg landen.



Wenn wir mal die Köpfe anhoben, um die Nackenmuskulatur zu entspannen, konnten wir die Kiter übers Wasser flitzen sehen, überall bewegten sich bunte Schirme und man kam nicht umhin zu staunen, dass die sich nicht ins Gehege kommen mit ihren langen Schnüren.



Bis wir zurück kamen war es schon später Nachmittag, die Kinder verschwanden mit ihren Fahrrädern zum Spielplatz mit großem Piratenschiff und einem ganz speziellen Trampolin.



Abends heizte Markus den Grill an, ich machte Kartoffelsalat und Tomatensalat dazu und so ließen wir es uns schmecken.


Mittwoch, 30. August 2017

Schwedeneck 1

Tag 11: Mi, 23. August 2017

Juchhuuuu, endlich mal wieder Meer! Es zieht mich immer dermaßen ans Meer, so einmal im Jahr muss das sein. Dabei liebe ich besonders die etwas rauere See, wo es auch mal stürmt, gscheide Wellen hat, Ebbe und Flut, viel Getier.
Während der Fahrt überlegten wir noch, an welchem Teil der Ostseeküste wir Station machen sollten. Ich erinnerte mich, dass Melanie und Jan, liebe Freunde von uns, mit ihren Kindern auch gerade dort oben Urlaub machten. Moderne Kontaktaufnahme via WhatsApp, gefolgt von einem  altmodischen Anruf, Standortdurchgabe, Entscheidung: wir suchen sie heim in Krusendorf/Schwedeneck, nicht weit von Kiel. Die Kinder freuten sich, denn Luzi versteht sich prima mit Ida, der ältesten Tochter, und Ferdi und Oskar, der in etwa gleich alte Sohn, haben sich ebenfalls sehr gern. Jan empfahl uns auch gleich noch einen hübschen Campingplatz fußläufig zu ihrem Ferienhäuschen und direkt am Meer. 
Am Nachmittag kamen wir bei schönstem Sonnenschein an, bekamen ein Traumplätzchen in erster Reihe gleich hinter der Düne und noch während wir das Nötigste aufbauten rückte Familie Friedmann auch schon an. Das erste kühle Getränk des gemeinsamen Resttages nahmen wir am Wohnwagen ein, anschließend hiess es Badesachen packen und an den Strand.
Es ging ein frischer Wind, die Mädels hüpften dennoch in der Brandung herum und auch Markus und ich gingen ein paar Züge schwimmen. 








Die ersten Muscheln wurden gesammelt, arme Ehemänner und Kinder (nicht meiner!) mit toten Krebsen erschreckt und ein großer Sandkrater, den Jan und Oskar als Windschutz gebuddelt hatten, inspiziert.
Es gab auch schon einen Plan für abends, dem wir uns gerne anschlossen. Knappe 2 km wandern auf einem Pfad an der Küste entlang, teilweise hoch über dem Meer an der Steilküste, bis zu einem hübschen Restaurant. Dort lecker essen, den Sonnenuntergang bewundern und dann, mit Taschenlampen bewaffnet, eine Nachtwanderung am Strand entlang heimwärts machen.
Der Hinweg war ein Traum. 




Fast immer Meerblick, ein Pfad der teils über Wiese, teils durch Laubwald, über ein paar Treppen und durch knöcheltiefen Sand führte. 




Mal hinter der Düne entlang, wo dicht an dicht Brombeersträucher standen, die um diese Zeit auch reichlich Früchte trugen. Vorspeise: check!
Nochmal ein paar Meter Steilküste.



Das letzte Stück führte am Strand entlang, durch eigentlich verbotenes weil militärisches Gebiet. Es stellte aber eine Abkürzung dar und außerdem waren auch andere Leute dort unterwegs. Entschuldigung genug für uns, die mittlerweile etwas quengelige Meute dort hindurchzuscheuchen.
Danach kam schon der „blaue Seestern“, das sehr einladend aussehende Strandrestaurant in Sicht. Hübsch mit Birkenstämme und Treibholzschildern dekoriert, die Tische locker verteilt und teils auf Podesten. Zum Meer hin Glaswindschutz. Wir ergatterten einen schönen Tisch und hatten etwas zu tun, bis alle Kinder und Erwachsenen – es gibt da ja noch die knapp einjährigen Zwillingsmädchen Anni und Lene – ihren Platz gefunden hatten. Es wollten selbstverständlich Ida und Luzia nebeneinander sitzen, desgleichen Ferdinand und Oskar. Die zwillingsbepackten Eltern sollten etwas mehr Bauchfreiheit bekommen und dann mussten noch die Essens- und Getränkebeschaffer einigermaßen leicht rauskommen. Und wehe es wollte dann noch jemand aufs Klo.
Die überwiegende Mehrheit entschied sich für Fish&Chips, dazu gab es kühles Flens, Apfelschorle und Biolimoade. Der Marsch hatte hungrig gemacht und es wurde ordentlich gespachtelt. 




Einen Kaffee für die Großen bzw. Softeis für die Kinder gab es noch als Abschluss, anschließend rüsteten wir uns für die Gruselnachtwanderung. Diie Taschenlampen waren durchaus nötig, es war gscheid duster. Ein bisschen Meeresrauchen, ab und an ein nicht zuzuordnendes Geräusch, aus dem Lichtkegel heraushüpfende Kröten – für Unterhaltung war gesorgt. Anni fand die Aktion streckenweise gar nicht komisch und auch den Jungs ging auf halber Strecke die Kraft aus. Oskar konnte in den von Jan gezogenen Bollerwagen klettern und Ferdi nahm abwechselnd auf meinen oder Markus´ Schultern Platz. Die Mädels marschierten ohne Probleme, oft auch ein Stück voraus und recht unbeeindruckt von der geheimnisvollen Stimmung. 
An einer Rampe für Boote trennten sich die Wege, links ging es zu den Ferienhäuschen und noch ein Stück geradeaus lag unser Campingplatz. Puhhh, geschafft! Die Kinder plumpsten in die Betten und waren praktisch augenblicklich eingeschlafen. Uns schmerzten etwas die Schultern, aber den Spass war es wert.





Dienstag, 29. August 2017

Plausee 3

Tag 10: Di, 22. August 2017

Der Ferdi ist seit heute 5 Jahre alt. Mein Kleiner. Mein Baby. Dieses 2kg Packerl, als das er viel zu früh auf die Welt geholt werden musste. Der sich so fantastisch entwickelt hat, dass niemand auf die Idee käme, ihm seien 2 von 9 Monaten im Bauch verwehrt worden.
Er hatte sich die ganzen letzten Tage sehr auf diesen Tag gefreut und immer genau gewusst, wie oft er noch schlafen muss, bis er Geburtstag hat. Und heute war es so weit und der kleine Mann total aufgedreht und voller Vorfreude. 
Kaum war der Frühstückstisch gedeckt klingelte auch schon mein Telefon. Oma und Opa aus Fürstenfeldbruck waren dran und gaben, wie traditionell in unserer Familie, „Hoch soll er Leben“ zum besten. Ferdi strahlte die ganze Zeit vor Freude. 




Nach dem Kerzen auspusten und etwas Frühstück war Geschenke auspacken Priorität Nr. 1. Erst die bunte Kiste, von der er sofort wusste, dass sie von Tante Monika und Onkel Udo stammen musste. Da saßen sie, die Geschwister, beide total neugierig und Luzi sehr großzügig ihre Hilfe beim Öffnen des Paketes anbietend.




Ein Kuschelschweinchen kam zum Vorschein und der Ausruf „Jetzt hab ich mein eigenes Schwein!“ (Bezug nehmend auf Luzis Lieblingskuscheltier, das Schweinchen von Lotta aus der Krachmacherstraße, das eigentlich Teddy heißt. Aber das ist eine andere Geschichte).
Und dann kam da noch eine DVD zum Vorschein: Urmel aus dem Eis. Und gleich der Wunsch, es möge doch baldigst wieder einmal regnen, damit der Film geguckt weden kann.
Nun konnte Markus es kaum mehr erwarten, auch unser bzw. eher sein Geschenk an den Sohn zu bringen. Er hatte sich schon monatelang darauf gefreut, seine alte Fischertechnik seinem Sohn zu schenken. Noch kurz vor dem Urlaub hatte er sämtliche Kleinteile fein säuberlich sortiert und in die passenden Kästen sortiert, so dass zu jedem der Anleitungshefte auch wirklich alle Bauteile vorhanden waren.
Und nun packte Ferdi zuerst die Anleitung aus. Und blätterte sie durch. Und kapierte recht schnell, dass da wohl noch irgendwo Teile zum bauen fehlen würden. Und hatte recht, denn als nächstes überreichte Markus ihm eine Kiste. 




Und ab da war der Tisch unserer Sitzgruppe im Wohnwagen für sämtliche anderen Nutzungsweisen als die des Werktisches für allerlei Fahrzeuge, Maschinen und Flugobjekte tabu.
Immerhin verließen wir den Wohnwagen an diesem Tag noch. Unser kleiner großer Junge durfte sich zur Feier des Tages aussuchen, ob wir in den Hochseilgarten oder in die Müritzer Therme gehen. Er wählte das Wasserparadies und so verbrachten wir 4 Stunden in verschiedenen Becken, Strömungskanal, Rutsche und auch mal Sauna. Pommes zum Mittagessen rundeten das perfekte Kinderprogramm ab.
Auf dem Weg zurück passierten wir wie auf dem Hinweg ein richtig hübsches Städtchen, Malchow, eine Inselstadt. Auf der einen Seite begrenzt durch eine Zugbrücke, die auch prompt auf dem Heimweg in Betrieb war und einen recht beachtlichen Stau durchs Städtchen verursachte.
Und: ich sah endlich Kraniche. Zwei Exemplare standen auf einem abgeernteten Kornfeld und pickten sich wohl die übriggebliebenen Körner zwischen den Strohhalmen heraus. Beeindruckend große Vögel sind diese Kraniche!
Selbstverständlich hatte Ferdi mit seiner Annahme, zu einem Geburtstag gehöre auch ein Kuchen, recht. Im Kühlschrank wartete eine in weiser Vorraussicht von Markus dort platzierte Sahnetorte auf ihn, von der er glücklich einen beachtlichen Anteil verdrückte. 





Das Abendessen war damit obsolet.
Dass der See abends eine wunderbare Kulisse für einen traumhaften Sonnenuntergang bot, interessierte ausser mir niemanden. 




Schliefen sie alle schon? Nein, zwei dem Nachtschlaf entsagende männliche Mitglieder dieser Familie saßen derweil hochkonzentriert am Sitzgruppentisch und konstruierten.



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Montag, 28. August 2017

Plausee 2

Tag 9, 21. August 2017


Ich bin ja schon als Zeitoptimist bekannt (= viel zu viele Programmpunkte einplanen für viel zu wenig Zeit). Heute war ich Wetteroptimist bzw. überschätzte die Fähigkeit des Blattwerkes von Bäumen, Nässe vom Waldboden und den darauf wandelnden Lebewesen abzuhalten.
Es begann noch angenehm: Im Ort Plau, etwa 20 Minuten von unserem Platz entfernt, startet die Zaubersteinwanderung durch ein Moor unter einem, so die Beschreibung, dichten (!) Buchendach.




Um den rechten Weg zu finden, hält man nach Steinen Ausschau, die gerne von der dort ihr Unwesen treibenden Hexe Plaulina vom Kalüschenberg als Rastplatz genutzt werden. Zum Glück für den Wanderer hat die Hexe bei ihren Ruhepausen Spuren in Pfeilform auf den Steinen hinterlassen, die freundlicherweise in die richtige Richtung deuten.



So weit so gut. Der Weg veränderte sich bald von einem recht breiten Forstweg zu einem schmalen Pfad durch das Moor. Von Zeit zu Zeit wanderte man über Stege, während sich links und rechts die Baumstämme aus dem Sumpf erhoben, dessen Oberfläche teilweise von Wasserlinsen bedeckt war. 




Wer einmal durch Floridas Everglades gestreift ist, hält ob der Ähnlichkeit der Natur automatisch nach Alligatoren Ausschau.




Nach nicht einmal einem Drittel der Strecke fing es an zu schütten. Richtig zu schütten. Innerhalb weniger Minuten waren wir klatschnaß. Die Falten unserer Regenjacken fungierten als Rinnen, die das Wasser zuverlässig auf die Hosen und von dort in die Schuhe leiteten. Die Kinder protestierten auf der Stelle. Wir Großen mußten gute Miene zum bösen Spiel machen, munter weiter marschieren und dabei immer neue Motivationsstrategien entwickeln. Irgendwelche Zaubersteine waren nun vollkommen uninteressant. Man wollte „sofort heim, jetzt“. Als wir uns schließlich wieder in der Zivilisation befanden folgte die Ernüchterung: wir hatten noch mindestens ein Drittel der Strecke vor uns. Markus trabte alleine weiter, um das Auto zu holen, und ich verpasste den Kindern an einem Rastplatz erst einmal alles an Essbarem, das sich im Rucksack befand: Semmeln, Wienerl, Karotten und Kekse. 
Ein großer Dank gilt einer kleinen Raupe, die sich unter dem Tisch  mit allerlei Verrenkungen voranrobbte und vor allem Luzi die Zeit vertrieb. Möge sie zu einem wunderschönen Schmetterling werden!




Mein persönlicher Höhepunkt (nicht!) war Ferdis Ansage, er müsse dringend einen Stinker machen. Super. Ich hatte kurz zuvor eine kleine Plastiktüte im Abfallkorb entsorgt. Dieser verfügte über einen angeschraubten Deckel mit nur schmalen Einwurfschlitzen darunter und war insgesamt recht tief. Mit einem Stock fischte ich eine Weile darin herum, die Tüte aber entzog sich sämtlichen Fangversuchen. Als Ferdi immer gequälter dreinblickte, trat Plan B in Kraft: Grube oder eher Grübchen an halbwegs geschützter Stelle ausheben, drüberhocken, Geschäft machen, Grube zuschütten. Kaum fertig kam Markus um die Ecke und der Traum vom kuscheligen Nachmittag zu viert im Elternbett bei heißem Kakao und einem Film rückte in greifbare Nähe.
Ach ja, das Wetter stabilisierte sich den Rest des Tages. War klar.

Sonntag, 27. August 2017

Plausee 1

Tag 8: So, 20. August 2017

Das Frühstücksgeschirr wurde zuverlässig vom Personal erledigt :). 


Wir hatten zunächst grob geplant, in der Nähe von Berlin unsere nächste Unterkunft zu suchen. Während der Fahrt entschieden wir uns dann aber anders. Gleich noch eine Stadt reizte uns doch nicht und für die Kinder war sicherlich Natur und Platz zum herumflitzen spannender. Außerdem kannten sowohl Markus als auch ich Berlin bereits von früheren Besuchen. Einen Blick auf den Fernsehturm erhaschten wir bei der Fahrt durch die Stadt immerhin. Was fest auf dem Plan für diesen Urlaub stand war die Mecklenburgische Seenplatte, gesagt gefahrn.
Einen geeignet erscheinenden Campingplatz ergoogelte ich uns während der Fahrt. Klang wunderbar, langgestreckt über ca. 1000m direkt am Plausee, einem der größeren Seen in diesem Gebiet mit über 1000 mehr oder weniger großen Pfützen. Maximal 3 Reihen Stellplätze hintereinander, d.h garantiert kurze Wege zum Wasser. „Kriegen wir hin“ lautete die Antwort auf meine telefonische Anfrage.
Das Wetter schien etwas wankelmütig, der eine oder andere Tropfen fiel und die Temperaturen zeigten sich deutlich niedriger als noch in Dresden. Obwohl das Wasser einladend aussah sollte es das erste Naß sein, in das wir nicht hineinhüpften.
Alles in allem perfektes Laufwetter für mich, 8km wurden es auf einer hübschen Strecke am See entlang, der einmal rechts und später überraschenderweise links von mir auftauchte. Ich war in eine Landzunge eingebogen und trabte noch eine Weile durch den Wald. Auf dem Rückweg empfing mich als Belohnung ein wunderbares Licht am See! 








Samstag, 26. August 2017

Dresden

Sa, 19.August 2017

Nach den üblichen Morgenroutinen (erst mal Kaffee, Runde durchs Bad, Frühstückstisch draußen decken, Kinder zum umziehen bewegen, frühstücken, Geschirr spülen, heute mal ganz alleine durch die Kinder) nahmen wir den Bus in die Innenstadt. Am Hauptbahnhof starteten wir die Stadrunde.



Ein Blick auf die Frauenkirche stand natürlich auf dem Plan, auch den Zwinger (zumindest von außen) anschauen war eine Idee. Zunächst spazierten wir ein Stück an der Elbe entlang, wo sich schon eine Bude an die nächste reihte.



Futter, Getränke, Krimskrams, mal ein kleines Karussell. Es war Stadtfest an diesem Wochenende und wir mittendrin.

Alte Dampfwalzen und andere dampfbetriebene Gefährte fesselten uns eine ganze Weile. Sie standen da und schmauchten vor sich hin.




Sehr cool war ein uralter Skoda, möglicherweise eine Idee weniger komfortabel als Markus´ Gefährt, unter dessen Wasserkessel eine Grillpfanne mit glühenden Kohlen für den notwendigen Dampf sorgte.




Als nächstes umrundeten wir einmal die Frauenkirche und staunten einmal mehr, dass aus dem Trümmerhaufen von einst dieses Prachtstück wieder aufgebaut werden konnte.



Ein Bruchstück der alten Kuppel ist davor ausgestellt und man kann die Geschichte dazu auf einem Schild lesen.



Die dampfbetriebenen Fahrzeuge sollten nicht die einzigen Autos bleiben, die Teile meiner Familie magnetisch anzogen. Kaum hatten wir eine Runde um die Frauenkirche gedreht, zog ein edel aufgemachter, mehrstöckiger Volvostand mit den neuesten Modellen die Aufmerksamkeit meines Mannes auf sich. Weg war er. Und saß Probe. Und inspizierte Kofferräume. Und strahlte. Und saß im nächsten Modell Probe. Und inspizierte...der ihn betreuende Berater war schlau genug, mich mit den hungrigen Kindern zu seiner bezaubernden Kollegin an den beschirmten Stand mit Zimtschnecken zu schicken, wo ich auch noch mein Glück versuchen konnte, eine Reise nach Stockholm zu gewinnen. Der nicht weniger bezaubernde Kollege der Dame verhinderte, dass ich Technik-Dummy das falsche von drei Kreuzen wählte und somit meine Gewinnchance wahrte. So weit so gut. Doch 50m weiter lauerte ein Skoda-Stand willigen Opfern auf...




Ferdi investierte in Dresden sein Urlaubstaschengeld, das er von Oma Heidi bekommen hatte. Nach langer Recherche in der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses entschied er sich für ein Feuerwehrmann Sam Rettungsboot und war selig!

Die Kinder kamen auch noch voll auf ihre Kosten. Im Zuge des Stadtfestes wurden überall Spiele angeboten, bei denen sie Kleinigkeiten gewinnen konnten. Besonders witzig war ein Puzzle aus überdimensionalen Würfeln. Die Beiden arbeiteten richtig gut zusammen und hatten das Bild recht schnell zusammengesetzt.



Auf einer Bühne gab es verschiedene Tanzvorführungen, von Hip Hop über Jazzdance zu Steptanz. Hüpfburgen rundeten das Spaßangebot ab und Straßenbahnfahren zählte fast als Karussell. So kamen wir doch noch in den Genuß des Zwinger Anblickes.






Mehr als einmal durchflanieren war aber nicht, uns trieb der Kaffee- und Kuchenhunger. Ein sehr hübsches Café lag in Sichtweite des Zwingers und Hörweite einer weiteren Bühne, auf der moderne Klänge mit klassischen Instrumenten, Cello und Geige, gespielt wurden. Kinderspielplatz aka Brunnen war ebenfalls gegeben, hier konnten wir eine Weile entspannt den Nachmittag genießen bei einem Kännchen Kaffee, Eisbecher, Erdbeertorte und einer Dresdner Spezialität, einer Eierschecke? Egal, es las und bestellte laut Kellnerin sowieso fast jeder „Schnecke“. Letztlich entpuppte es sich als leckerer Käsekuchen.
Von hier aus marschierten wir weiter, grob in Richtung Hauptbahnhof um den Rückweg anzutreten. Hie und da wurde noch eine Hüpfburg besprungen und ein Gasluftballon ergattert. Markus, der die Ballons an seinem Rucksack befestigte, sah nach einer Weile fast aus wie Bill aus dem Kinderbuch, der sein Bett mit zahlreichen Luftballons zum fliegen bringt. Am Hauptbahnhof lockte noch ein überdimensionaler Ritter-Sport Stapel meine Naschkatze.



 Zurück an unserem Domizil sprangen Luzi und ich noch in den Pool und planschten eine ganze Weile dort herum. Nach einem gemütlichen Abendessen konnten wir noch eine Weile wunderbar draußen sitzen.

Freitag, 25. August 2017

Gera Teil 2

Tag 6: Fr, 18. August 2017

Die Burg hatte die Nacht überlebt und wurde gleich morgens noch um einen riesigen Burgwall erweitert. 



Der Vormittag gehörte mir! Markus hatte sich bereit erklärt alleine abzubauen und zusammen zu packen und ich schnappte mir mein Birdie und radelte in die Stadt. Auf dem Rathausplatz deckte ich mich mit Thüringer Spezialitäten ein: Kümmelwurst, geräucherte Leberwurst und natürlich Rostbratwürste zum grillen. Die Marktleute waren allesamt gut gelaunt und als nach meinem Einkauf nur mehr eine Wurst übrig war, bekam ich diese als Dreingabe umsonst. 




Mit dem Radl war es dann ein Katzensprung zur Johanneskirche. In dieser Kirche wurde meine Mutter konfirmiert und dort haben meine Großeltern geheiratet. Ein altes Hochzeitsfoto, das sie und meinen später im Krieg verschollenen Opa beim Verlassen dieser Kirche zeigt, ist eines der wenigen Bilder, die ihn und beide zusammen zeigen.




Ich wäre sehr gerne hinein gegangen, doch leider wurden die Türen an diesem Tag erst um 14h geöffnet. Nach einer Weile nahm ich also Abschied und rollte zum Theater, das neben dem Krankenhaus, in dem sie als Krankenschwester tätig gewesen ist, ein weiterer Arbeitsplatz (Sängerin) meiner Omi gewesen ist.




Von dort kann man den „Küchengarten“ fast schon sehen, einen schönen Park mit einem Springbrunnen, hinter dem sich ein leuchtend gelbes barockes Gebäude, die Orangerie, befindet. 





Im 17. Jhd. entstand dieser Garten aus der Notwendigkeit heraus, mehr Fläche zur Versorgung der Herren von Gera auf dem nahen Schloss Osterstein zu gewinnen. Der Garten am Schloss reichte dafür nicht mehr aus.




Nicht weit vom Küchengarten entfernt fließt die Elster. 




Eine Brücke bringt einen in ein schönes altes Stadviertel mit engen Gassen, hübschen Häusern und kleinen Cafés. Es ging allerdings bereits auf 12h zu, damit war mein Taxi auf dem Weg in die Stadt. So gab ich eine Positionsmeldung durch und erwartete meine Abholung auf einem Kinderspielplatz am Fluss, gemütlich auf einer großen, sich drehenden, schrägen Scheibe liegend.
Leipzig oder Dreseden? Wir hatten uns schon zuvor tendenziell auf Dresden geeinigt, blieben dabei und so rollte unser Gespann Richtung Osten. Besonders weit war es nicht und einer ersten Stadtbesichtigung am Nachmittag hätte nichts entgegengestanden. Noch etwas müde vom Marsch durch Gera entschieden wir uns für einen „freien“ Nachmittag an unserem hübschen Stellplatz unter einer Linde und einem Ahorn. Der Platz verfügte sogar über einen Pool, der Kinderspielplatz beschäftigte die Kinder ebenfalls und mein Buch freute sich mal wieder über Aufmerksamkeit. Abends landeten die Rostbratwürste auf dem Grill und dazu gab es das zugegebenermassen schon zweite kühle Köstritzer an diesem Tag. 

Donnerstag, 24. August 2017

Gera Teil 1

Tag 5: Do, 17. August 2017

Mich zog es noch vor einem ausgiebigen Frühstück nur mit einem ersten Kaffee intus raus in den Wald. Laufschuhe an und los. Wieder den herrlichen Waldduft tief eingesaugt und den See entlang getrabt. 




Bei einem Hinweisschild zu einer Quelle verdrängte ich den Gedanken, dass diese sich in der Regel bergauf befinden und peilte sie an. Erst führte der Weg auf einem schmalen, von Wurzeln durchzogenen Pfad nur sanft den Süd-Ost-Hang des Ochsenkopfes bergauf, auch mal über eine Wiese mit einem schönen Blick über die Landschaft. Eine Weile ging es einen Forstweg entlang, rechts und links gesäumt von Brom- und Himbeeren. Auch Blaubeersträucher hatte ich schon gesehen, allerdings penibel abgeerntet.
Es wurde steiler und hörte gar nimmer auf. Ich biss mich eine ganze Weile lang durch und gönnte mir erst relativ kurz vorm Ziel eine Gehpause. Die Fichtelnaabquelle lag nur ein paar Meter vom Forstweg entfernt und sprudelte munter aus ihrer Einfassung aus Felsbrocken, die von 1907 stammt. 



Zu meinem Glück wird ihr Trinkwasserqualität attestiert, denn zu trinken hatte ich für meine kleine Bergtour nichts mitgenommen. Zu beiden Seiten des frischen Bächleins wuchsen Blaubeeren, diesmal mit Früchten. Eine kleine handvoll nahm ich in ein Taschentuch gewickelt mit, ebenso einige Himbeeren, die ich beim Rückweg fand. Ich war mir allerdings nicht sicher, in welchem Aggregatszustand die Beeren den Campingplatz erreichen würden. Zurück ging es logischerweise flott, ich nahm eine etwas andere Strecke, mehr weichen Wald- und weniger steinigen Forstweg und fand bei meiner Rückkehr einen schön gedeckten Frühstückstisch vor. Die Beeren hatten sich nicht als Smoothie in meiner Hüfttasche verteilt sondern tauchten weitgehend unversehrt wieder auf.
Am späteren Vormittag steuerten wir Richtung Gera und registrierten belustigt dieses Hinweisschild auf der Autobahn.



Wir bezogen einen Campingplatz ca. 8km ausserhalb der Stadt in Aga an einem netten kleinen See und machten uns bald auf in die Geraer Innenstadt. Ich hatte mir von meiner Mutter einige Stichpunkte und Adressen geben lassen, um mich ein bisschen auf die Spuren meiner Familie machen zu können, die etliche Jahre hier gelebt hat. Doch zunächst stand noch ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt an: Rostbratwurst in der Semmel, nein, im Brötchen. 



So saßen wir erst einmal auf der Treppe eines Museums, ließen es uns schmecken und wurden von Ferdi lautstark auf jede der zahlreich fahrenden Straßenbahnen hingewiesen. Dann gab es keine Rettung mehr für meine Familie: durch die Fußgängerzone ging es zunächst in die Göthestrasse 1, zur Villa Münch. Ein prächtiges Gebäude mit einem sehr schönen Garten, umgeben von einer mit Efeu bewachsenen Mauer. 



Hier hatten nach dem Krieg meine Omi, meine Mama und mein Onkel in einem oberen Stockwerk bis ca. 1949 2 Zimmer bewohnt. Von hier aus marschierte meine Mutter also schon in die Schule, eine eigenartige Vorstellung, wenn man fast 70 Jahre später selber dort vor der Türe steht. 
Nur wenig weiter, in der Friedrich-Engels-Straße 24, wohnten sie anschließend im Parterre. 


Ein eher schlichter Bau mit einer schönen Holztüre. Hier machte der Rest der Famlie allmählich schlapp, so dass Markus mit den Kindern zurück in die Innenstadt lief und ich meine Tour alleine fortsetzte. Es standen noch eine Villa auf dem Programm, in die einmal im Jahr zu einem üppigen Essen eingeladen worden war und deren Empfangshalle einst ein ausgestopfter Bär geziert hatte. Ganz sicher war ich mir nicht, ob ich das richtige Gebäude gefunden hatte, Fotos werden das zu Hause klären. Die angeblich in dieser Ecke befindliche Hautklinik war inzwischen umgezogen, was erklärte, dass ich diese auch bei der zweiten Runde um den Block nicht finden konnte. Mehr Glück hatte ich bei der Bergschule, die damals Mamas Grundschule war. Weiter ging es in die Nicolaistraße, in der sich vor vielen Jahren das Stoffgeschäft meines Uropas befunden hatte. Als meine Mutter in den 70igern einmal dort war, konnte man sogar noch den Namen auf der Hauswand entziffern. Die Schrift ist inzwischen verschwunden, weswegen ich mir auch nicht sicher war, welches Haus das richtige ist. 


Meine aktuellen Bilder muss ich dann zu Hause mit einer alten Fotografie vergleichen.
Ich traf Markus und die Kinder an unserem Ausgangspunkt wieder und sparte mir die restlichen Sehenswürdigkeiten für den nächsten Tag. 



Erst einmal sprangen wir ins kühle Naß, testeten das Wassertrampolin und später wurde am Strand  bis zum Einbruch der Dunkelheit eine großzügige Burganlage gebaut.

Diese Inschrift über einem Reisebüro in der Innenstadt taugt wie ich finde als Weltenbummlermotto: