Tag 9, 21. August 2017
Ich bin ja schon als Zeitoptimist bekannt (= viel zu viele Programmpunkte einplanen für viel zu wenig Zeit). Heute war ich Wetteroptimist bzw. überschätzte die Fähigkeit des Blattwerkes von Bäumen, Nässe vom Waldboden und den darauf wandelnden Lebewesen abzuhalten.
Es begann noch angenehm: Im Ort Plau, etwa 20 Minuten von unserem Platz entfernt, startet die Zaubersteinwanderung durch ein Moor unter einem, so die Beschreibung, dichten (!) Buchendach.
Um den rechten Weg zu finden, hält man nach Steinen Ausschau, die gerne von der dort ihr Unwesen treibenden Hexe Plaulina vom Kalüschenberg als Rastplatz genutzt werden. Zum Glück für den Wanderer hat die Hexe bei ihren Ruhepausen Spuren in Pfeilform auf den Steinen hinterlassen, die freundlicherweise in die richtige Richtung deuten.
So weit so gut. Der Weg veränderte sich bald von einem recht breiten Forstweg zu einem schmalen Pfad durch das Moor. Von Zeit zu Zeit wanderte man über Stege, während sich links und rechts die Baumstämme aus dem Sumpf erhoben, dessen Oberfläche teilweise von Wasserlinsen bedeckt war.
Wer einmal durch Floridas Everglades gestreift ist, hält ob der Ähnlichkeit der Natur automatisch nach Alligatoren Ausschau.
Nach nicht einmal einem Drittel der Strecke fing es an zu schütten. Richtig zu schütten. Innerhalb weniger Minuten waren wir klatschnaß. Die Falten unserer Regenjacken fungierten als Rinnen, die das Wasser zuverlässig auf die Hosen und von dort in die Schuhe leiteten. Die Kinder protestierten auf der Stelle. Wir Großen mußten gute Miene zum bösen Spiel machen, munter weiter marschieren und dabei immer neue Motivationsstrategien entwickeln. Irgendwelche Zaubersteine waren nun vollkommen uninteressant. Man wollte „sofort heim, jetzt“. Als wir uns schließlich wieder in der Zivilisation befanden folgte die Ernüchterung: wir hatten noch mindestens ein Drittel der Strecke vor uns. Markus trabte alleine weiter, um das Auto zu holen, und ich verpasste den Kindern an einem Rastplatz erst einmal alles an Essbarem, das sich im Rucksack befand: Semmeln, Wienerl, Karotten und Kekse.
Ein großer Dank gilt einer kleinen Raupe, die sich unter dem Tisch mit allerlei Verrenkungen voranrobbte und vor allem Luzi die Zeit vertrieb. Möge sie zu einem wunderschönen Schmetterling werden!
Mein persönlicher Höhepunkt (nicht!) war Ferdis Ansage, er müsse dringend einen Stinker machen. Super. Ich hatte kurz zuvor eine kleine Plastiktüte im Abfallkorb entsorgt. Dieser verfügte über einen angeschraubten Deckel mit nur schmalen Einwurfschlitzen darunter und war insgesamt recht tief. Mit einem Stock fischte ich eine Weile darin herum, die Tüte aber entzog sich sämtlichen Fangversuchen. Als Ferdi immer gequälter dreinblickte, trat Plan B in Kraft: Grube oder eher Grübchen an halbwegs geschützter Stelle ausheben, drüberhocken, Geschäft machen, Grube zuschütten. Kaum fertig kam Markus um die Ecke und der Traum vom kuscheligen Nachmittag zu viert im Elternbett bei heißem Kakao und einem Film rückte in greifbare Nähe.
Ach ja, das Wetter stabilisierte sich den Rest des Tages. War klar.





Zaubersteinwanderwege - oh wie aufregend ! - Bild Numero vier sieht aus wie die undurchdringlichen MangrovenSümpfe im Amazonas, puh, Ihr könnt mächtig stolz sein - habt das nasse Abenteuer überstanden ! + dieses mal war es Ritter Markus mit seinem Skoda Ross, der Euch alle gerettet hat... Gruss aus dem immer sehr warmen + sonnigen Bayern von Moni und Udo
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