Montag, 21. August 2017

Furth im Wald

Mo, 14.08.2017

Morgens herrschte eine friedliche Stille um uns herum. Kaum jemand war schon auf den Beinen, die umliegenden Zelte verschlossen, der Waschraum verlassen. Bei uns dagegen sorgten Luzi und Ferdi für Stimmung. Es gibt für mich aber auch kaum etwas Schöneres als vom Schlaf verstrubbelte Kinder, die vergnügt in mein Bett hüpfen, mit unter meine Decke schlüpfen und eine Kuscheleinheit verlangen. Wenn dann noch eine Tasse Kaffee serviert wird, kann der Tag beginnen und sogar ein Morgenmuffel wie ich kommt auf die Beine. A pro pos Beine, ich schwang mich sogar in die Laufschuhe und trabte ca. 5km auf dem Donaudeich entlang. Ich gebe es ja zu, Morgenstimmung hat schon auch was. Anschließend die Füße im erfrischenden Flusswasser abgekühlt und zurück zur Famile, frühstücken. Dann packen. Und losfahren. So der Plan. Wäre da nicht folgendes passiert: Markus fuhr an, es gab ein fies quietschendes, reissendes Geräusch, der Wohnwagen hüpfte von der Anhängerkupplung und das Kabel für die Stromversorgung des Anhängers riss los.
Markus brachte die Aktion eine nicht ganz triviale Reparatur bei steigender Hitze an diesem schönen Tag ein. Einer Gruppe Camperinnen brachte die Aktion unser Leih-Ladegerät für ihre über Nacht entladene Autobatterie ein. Mir brachte die Aktion einen weiteren Aufenthalt am Donauufer mit den Kindern ein. Steine sammeln und zu einer Klapperschlange aneinanderreihen. Glasscherben aus dem Matsch zwischen den Pflastersteinen sammeln und fachgerecht entsorgen. Mit den Füßen im Wasser planschen. Libellen und Babyfische beobachten. Einfach im Schatten bei einer leichten Brise sitzen und flussabwärts auf Altbauten Straubings schauen.


Schließlich der spannende Moment: stimmen die Anschlüsse oder gibt es einen Knall und es ist mehr kaputt als vorher? Im Stillen werden die inzwischen Prosecco-schlürfenden Damen mit der nach wie vor ladenden Autobatterie gehofft haben, dass wir noch etwas brauchen. Gentleman wie Markus ist stand er ihnen beim Anlassversuch bei und erntete sehr dankbare Blicke, als der Motor ansprang.
Auch bei uns Entwarnung. Der Mover „movte“, alle Lichter erledigten ihren Job. Tschakka, es konnte losgehen. Aber wohin eigentlich?
Ich hatte schon telefonisch versucht, Karten für den Drachenstich in Furth im Wald zu reservieren. Für den gleichen Tag waren nur noch begrenzt Tickets an der Abendkasse zu bekommen, also düsten wir los. Während Markus unser Gespann in die Innenstadt lenkte und mit Müh und Not einen Platz zum halten fand, sauste ich zur Kasse und ergatterte tatsächlich noch Karten für den gleichen Abend. Problem 1 gelöst, nun kam Herausforderung 2: am 10 Gehminuten entfernten Campingplatz noch unterkommen. Der am Telefon zunächst etwas spröde und sehr korrekt wirkende Platzwart meinte dann schon noch ein Platzerl für uns zu haben, was unseren Eindruck bei der Ankunft bestätigte. Es waren nicht  zu übersehende Lücken auf der Wiese.
Ein dicker Pluspunkt lag direkt nebenan und lockte uns an diesem heißen Tag: Das Drachenfreibad. Dort verbrachten wir den Nachmittag im kühlen Nass, bevor wir uns für das Spektakel rüsteten und in die Schlacht mit dem Drachen zogen. 


In Furth heisst selbstverständlich alles irgendwie Drache, ob der Metzger, die Kneipe, eben das Freibad usw. An den Häusern hängen zur Festspielzeit Flaggen mit Drachendarstellungen, es gibt Drachenbildnisse an den Fassaden. Die totale Vermarktung des Schuppentieres.
Seit 500 Jahren wird jährlich in Furth im Wald der Drache gestochen, d.h. getötet. Laut der Legende werde ein furchtbares Ungeheuer Tod und Verwüstung bringen. Der Kampf zwischen Gut und Böse, dem Untier  (Drache) und dem edlen Ritter (Udo), lässt eine der ältesten Heldensagen wieder aufleben und steht für die zahlreichen Gefahren, denen Furth im Wald und die ganze Grenzregion lange Zeit ausgesetzt waren.
Die Arena ist mitten in der Innenstadt aufgebaut, die entsprechende Straße ist für die gut 2 Wochen im Jahr gesperrt. Die Anwohner können sich daher den Kartenkauf sparen und besetzen von Haus aus die besten Plätze, müssen die Vorstellungen allerdings auch 16 Tage über sich ergehen lassen. Der Balkon über der dort ansässigen Commerzbank stellt quasi die Loge dar und wurde von Prosecco trinkenden Gästen gut besucht.


Der Hauptdarsteller, der in den 2.5 Stunden ruhig öfter hätte eingesetzt werden können, repräsentiert höchste Ingenieurskunst und wurde 2010 in der Further Gegend konstruiert. Zumindest zu der Zeit war in seiner Gewichtsklasse weltweit der der einzige Schreitroboter. Tatsächlich marschiert dieses Riesenvieh rauchend, Feuer niesend und spuckend, die Augen rollend, das Maul aufreissend und den Schuppenschwanz – fast hätte ich geschrieben wedelnd – bedrohlich schwenkend in die Arena. So richtig geschmeidig sind die Bewegungen nicht und auch ein torkelnder Betrunkener könnte dem Drachen wohl problemlos entkommen. Wenn er aber steht und nur den Kopf bewegt, einen scheinbar ansieht, brüllt und schnaubt, dann kommt er schon extrem beeindruckend rüber. 
Die Vorführung selber ist aufwendig gemacht, zahllose Pferde gallopieren durch die Arena, Ritter, Burgfräulein, diverse Geistige, das gemeine Volk, eine wunderschöne Ritterin und selbstverständlich Udo, der Retter. Allerdings zeigt die Handlung Längen, es ziagt si scho gewaltig. Und der Drache hat im Prinzip nur zwei richtige Auftritte, einmal ganz am Anfang und dann ganz am Ende. Die Kinder in den verbleibenden fast 2 Stunden bei Laune zu halten stellte eine Herausforderung dar. 
Ein Höhepunkt ist der Drachenstich, bei dem Ritter Udo, der noch nie einen Menschen getötet hat und deshalb die Fähigkeit besitzt, den Drachen zu besiegen, diesem mehrere Wunden mit seinem Schwert zufügt. Das Vieh blutet in Strömen aus den ihm zugefügten Wunden und verendet. 
Der zweite Höhepunkt findet nach dem Schlussapplaus statt. Die Zuschauer sind eingeladen, in die Arena  zu kommen und den Drachen hautnah zu erleben. Jetzt dürfen auch Fotos gemacht werden, der Drache wirft sich dank der vier seine Bewegungen koordinierenden Steuermänner in Pose.

Er faucht ab und zu, was die Gesichtszüge derjenigen, die sich gerade in Kopfnähe befinden, kurzfristig entgleisen lässt. Unsere Kinder sind fasziniert aber vorsichtig, so ganz trauen sie der Sache nicht. Richtig Stimmung kommt auf, als „Highway to Hell“ von ACDC vom Band läuft und der Drache nochmal in Bewegung kommt. 


Das übertrifft tatsächlich das gesamte Theaterstück. Zu etwas ruhigeren Klängen erscheint schließlich das Drachentaxi in der Arena, es werden recht unromantisch vier mit Klettverschlüssen befestigte Hautstücke vom Bauch der Kreatur entfernt. Dadurch wird eine Art Kupplungen freilgelegt, an denen das flache Gefährt, das sich unter den Drachen schiebt, einrastet (hier war Ferdi wieder in seinem Element, von Müdigkeit nichts mehr zu spüren). 



Die verbleibenden Zuschauer begleiten das Urviech in die dunklen Gassen von Furth im Wald, zurück in seine Drachenhöhle, wo es vermutlich seine Wunden leckt um für den nächsten Tag wieder fit zu sein.
Wir bogen mit den Kindern auf den finsteren Rückweg zum Campingplatz ein. Pechschwarz war es da, ohne Handylicht wären wir ziemlich ins Stolpern gekommen. Die Kinder gruselten sich auch so schon, allerdings nicht vor dem Drachen, denn der war ja schlafen gegangen. Es war eher von Vampiren die Rede und „schöne“ Träume praktisch vorprogrammiert.

1 Kommentar:

  1. Eine grossartige Show - toll, dass Ihr den gefährlichsten und beeindruckendsten Drachen des Universums LIVE gesehen habt ! -- und wer hat ihn besiegt ? Natürlich der RITTER UDO - der grösste aller Helden. - daher hat meine Ehefrau mich auch dorthin eingeladen, ich fands echt cooooll !! Habt einen schönen Ferdi-TAG, der Udo

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