Donnerstag, 24. August 2017

Gera Teil 1

Tag 5: Do, 17. August 2017

Mich zog es noch vor einem ausgiebigen Frühstück nur mit einem ersten Kaffee intus raus in den Wald. Laufschuhe an und los. Wieder den herrlichen Waldduft tief eingesaugt und den See entlang getrabt. 




Bei einem Hinweisschild zu einer Quelle verdrängte ich den Gedanken, dass diese sich in der Regel bergauf befinden und peilte sie an. Erst führte der Weg auf einem schmalen, von Wurzeln durchzogenen Pfad nur sanft den Süd-Ost-Hang des Ochsenkopfes bergauf, auch mal über eine Wiese mit einem schönen Blick über die Landschaft. Eine Weile ging es einen Forstweg entlang, rechts und links gesäumt von Brom- und Himbeeren. Auch Blaubeersträucher hatte ich schon gesehen, allerdings penibel abgeerntet.
Es wurde steiler und hörte gar nimmer auf. Ich biss mich eine ganze Weile lang durch und gönnte mir erst relativ kurz vorm Ziel eine Gehpause. Die Fichtelnaabquelle lag nur ein paar Meter vom Forstweg entfernt und sprudelte munter aus ihrer Einfassung aus Felsbrocken, die von 1907 stammt. 



Zu meinem Glück wird ihr Trinkwasserqualität attestiert, denn zu trinken hatte ich für meine kleine Bergtour nichts mitgenommen. Zu beiden Seiten des frischen Bächleins wuchsen Blaubeeren, diesmal mit Früchten. Eine kleine handvoll nahm ich in ein Taschentuch gewickelt mit, ebenso einige Himbeeren, die ich beim Rückweg fand. Ich war mir allerdings nicht sicher, in welchem Aggregatszustand die Beeren den Campingplatz erreichen würden. Zurück ging es logischerweise flott, ich nahm eine etwas andere Strecke, mehr weichen Wald- und weniger steinigen Forstweg und fand bei meiner Rückkehr einen schön gedeckten Frühstückstisch vor. Die Beeren hatten sich nicht als Smoothie in meiner Hüfttasche verteilt sondern tauchten weitgehend unversehrt wieder auf.
Am späteren Vormittag steuerten wir Richtung Gera und registrierten belustigt dieses Hinweisschild auf der Autobahn.



Wir bezogen einen Campingplatz ca. 8km ausserhalb der Stadt in Aga an einem netten kleinen See und machten uns bald auf in die Geraer Innenstadt. Ich hatte mir von meiner Mutter einige Stichpunkte und Adressen geben lassen, um mich ein bisschen auf die Spuren meiner Familie machen zu können, die etliche Jahre hier gelebt hat. Doch zunächst stand noch ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt an: Rostbratwurst in der Semmel, nein, im Brötchen. 



So saßen wir erst einmal auf der Treppe eines Museums, ließen es uns schmecken und wurden von Ferdi lautstark auf jede der zahlreich fahrenden Straßenbahnen hingewiesen. Dann gab es keine Rettung mehr für meine Familie: durch die Fußgängerzone ging es zunächst in die Göthestrasse 1, zur Villa Münch. Ein prächtiges Gebäude mit einem sehr schönen Garten, umgeben von einer mit Efeu bewachsenen Mauer. 



Hier hatten nach dem Krieg meine Omi, meine Mama und mein Onkel in einem oberen Stockwerk bis ca. 1949 2 Zimmer bewohnt. Von hier aus marschierte meine Mutter also schon in die Schule, eine eigenartige Vorstellung, wenn man fast 70 Jahre später selber dort vor der Türe steht. 
Nur wenig weiter, in der Friedrich-Engels-Straße 24, wohnten sie anschließend im Parterre. 


Ein eher schlichter Bau mit einer schönen Holztüre. Hier machte der Rest der Famlie allmählich schlapp, so dass Markus mit den Kindern zurück in die Innenstadt lief und ich meine Tour alleine fortsetzte. Es standen noch eine Villa auf dem Programm, in die einmal im Jahr zu einem üppigen Essen eingeladen worden war und deren Empfangshalle einst ein ausgestopfter Bär geziert hatte. Ganz sicher war ich mir nicht, ob ich das richtige Gebäude gefunden hatte, Fotos werden das zu Hause klären. Die angeblich in dieser Ecke befindliche Hautklinik war inzwischen umgezogen, was erklärte, dass ich diese auch bei der zweiten Runde um den Block nicht finden konnte. Mehr Glück hatte ich bei der Bergschule, die damals Mamas Grundschule war. Weiter ging es in die Nicolaistraße, in der sich vor vielen Jahren das Stoffgeschäft meines Uropas befunden hatte. Als meine Mutter in den 70igern einmal dort war, konnte man sogar noch den Namen auf der Hauswand entziffern. Die Schrift ist inzwischen verschwunden, weswegen ich mir auch nicht sicher war, welches Haus das richtige ist. 


Meine aktuellen Bilder muss ich dann zu Hause mit einer alten Fotografie vergleichen.
Ich traf Markus und die Kinder an unserem Ausgangspunkt wieder und sparte mir die restlichen Sehenswürdigkeiten für den nächsten Tag. 



Erst einmal sprangen wir ins kühle Naß, testeten das Wassertrampolin und später wurde am Strand  bis zum Einbruch der Dunkelheit eine großzügige Burganlage gebaut.

Diese Inschrift über einem Reisebüro in der Innenstadt taugt wie ich finde als Weltenbummlermotto:


3 Kommentare:

  1. Die Reise ist das Ziel ... vier Bundesländer in sieben Tagen, das ist eine ganze Menge ! Spannend, Euren Wegen in Fotos und Worten zu folgen - habe Gera ein wenig kennen gelernt und viel über die Geschichte seit 1945 erfahren, mehr dazu später. Am besten gefällt mir Euer WeltenbummlerMotto Gruss Udo + die Moni

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  2. Eindrücke und Erlebnisse sind ja die Kraftquelle für vieles. Also sammelt noch recht viele und schafft euch damit ein gutes Polster an positiven Dingen für den Alltag. Ja. Deutschland kann sehr schön sein. Ihr erlebt es.

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    1. Huhu gottohgott, Du hast soo recht! Wer verbirgt sich denn hinter dem Pseudonym?

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