Tag 4: Mi, 16.08.2017
Der Tag empfing uns mit – Regen. Da ich gestern nicht mehr ins Wasser gehüpft war, nahm ich nun die Gelegenheit wahr. So richtig viele Schwimmer lockte das Wetter nicht an den Strand, was an sich ein Schmarrn ist, denn naß wird man sowieso, ob nun nur von unten oder halt auch von oben.Die Kinder spielten am Strand und behielten mich ganz genau im Auge, bis ich wieder an Land war. Dann beschäftigten sie sich bis zur Abfahrt am Wasser, buddelten im Sand, sammelten Steine und schleppten letztendlich vermutlich ein paar Kilo Strand ins Auto.
Beim Abbau war das Wetter uns gewogen und das Packen artete nicht in die befürchtete Wasserschlacht aus.
Mittags gab es in der Nähe von Hof einen Imbiss, und zwar den ersten Döner für die Kinder. Das war noch eine Bildungslücke, zumal sie sehr gerne singen „Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf ich bin ein Döner“. Luzi verputzte ihren komplett und auch Ferdi machte einen sehr guten Job. Noch etwas Austoben an einem nahen Brunnen, dann wurde das nächstes Ziel ins Auge gefasst: Selb mit dem Porzellanmuseum „Porzellanikon“. Dort zog es mich hin, weil ich von meiner Oma ein Geschirr aus den 20iger Jahren geerbt habe, das in Marktredwitz hergestellt wurde. Viel mehr weiss ich allerdings nicht, weder den Namen dieses Services noch was es neben dem Essgeschirr noch so gibt. Ich erhoffte mir also ein paar zusätzliche Informationen oder zumindest einen Kontakt, über den ich weiter forschen konnte.
Den Bereich vor dem Museum ziert u.a. eine Rosenthal gewidmete Statue, die wunderbar beturnt werden konnte.
Der Besucher des Museums wandert durch die alten Fabrikgebäude, in denen bis Anfang der 70iger Jahre Porzellan gefertigt wurde. Im Erdgeschoss findet man den ehemals staubigen Bereich, in dem Quarz- und Feldspatbrocken mit verschiedenen Maschinen nach und nach auf wenige mm kleine Stücke geschreddert wurden. Den letzten Schritt, das feine Zermahlen der schon recht kleinen Stückchen in riesigen, innen ausgefliesten Trommeln, in die Flusskiesel, die Bröckchen und Wasser gefüllt und die schließlich mit Hilfe der Dampfmaschine über eine lange Stange und Transmissionen angetrieben wurden, konnten wir hautnah erleben.
Man bekam durchaus eine Vorstellung davon, wie laut es in dieser Halle gewesen sein muss, wenn sich mehrere dieser Trommeln gleichzeitig drehten. Irgendwann kam noch Kaolin dazu, der Batz wurde schließlich gefiltert und der Wasserüberschuss durch mit Hand betriebene Pressen entfernt. Dann die entstehenden 25kg schweren „Kuchen“ noch durch eine Art überdimensionalen Fleischwolf mit verschiedenen Aufsätzen gedrückt und schon liegen Würste unterschiedlicher Dicke bereit, aus denen Essteller, Unterteller, Becher etc. gedreht bzw. (nach erneuter Zugabe von Wasser bzw. Wasserglas und Soda) gegossen werden können.
Ein absoluter Knochenjob. Im Laufe dieses Prozesses hatten Frauen noch den Job, mit den Füßen den Batz zu treten und Kinder mussten alle 10 Wochen in die Trommeln klettern, um den Zustand der Fliesen zu überprüfen und ggf. neu zu fliesen. Zudem drohte in recht jungem Alter eine Staublunge, die die Lebenserwartung der damaligen Bevölkerung von um die 60 Jahre deutlich senkte.
Weitere anschauliche Vorführungen zeigten uns das Drehen eines Bechers an einer füher ebenfalls durch die Dampfmaschine betriebenen Drehscheibe bzw. das Gießen einer Zuckerdose aus der berühmten Rosenthal-Serie „Maria Weiß“. Wer wollte konnte die Giessmasse probieren (knirschte etwas zwischen den Zähnen, sonst neutral), die Kinder durften die gegossene Zuckerdose schließlich zerdeppern, es wurden die „ledertrockenen“, die zum ersten Mal gebrannten (und noch porösen) und die glasierten (und dann16% kleineren) fertigen Zuckerdosen herumgereicht.
Trotz der Gipsform, die jedes Detail des fertigen Werkes genau vorgibt, spielt bei etlichen Schritten die Erfahrung des Porzellaners eine große Rolle. Er muss den richtigen Augenblick abpassen wenn die Gipsform gerade genug Wasser aufgenommen hat, damit die Dose ca. 3 mm dick und damit stabil genug, aber noch lichtdurchlässig ist. Dann schüttet der den Rest des noch flüssige Materials aus der Form und zurück bleibt das „Porzellanleder“, das noch weiter fest werden darf. Wird hier geschlampt, passt u.U. der extra gegossene Deckel nicht perfekt auf die Dose.
Die Zeit verging wie im Fluge und nach einer kurzen Kaffeepause drehte ich noch eine schnelle Runde durch die Ausstellungsräume. Dabei kam ich nochmals mit der Dame und dem Herren, die die Vorführungen gegeben hatten, ins Gespräch. Insgeheim hatte ich mir ja wie oben schon gesagt beim Besuch dieser Gegend Informationen über mein Goldrandgeschirr erhofft. Tatsächlich konnten sie mir den Namen einer Kollegin gegeben, die als wandelndes Porzellanlexikon gilt und die in der Lage sein sollte, mir zu helfen. Ich bin gespannt und werde die Dame kontaktieren, sobald sie aus dem Urlaub zurück ist.
Die Kinder waren ganz versessen auf das Fahren mit dem Aufzug. Dabei verpassten sie malerische Kloansichten in den Zwischenstockwerken und erlebten ausserdem einen traumatischen Moment.
Sie können nämlich einen Aufzug holen und einsteigen. So richtig haben sie den Dreh der Zieleingabe bzw. des nochmaligen Öffnens der Türe noch nicht raus. Ich kam also etwas nach ihnen aus einem der Ausstellungsräume, sah mich im Treppenhaus um und hörte plötzlich gedämpftes Kinderweinen. Es kam aus Richtung der geschlossenen Aufzugtüre. Ich öffnete sie und drinnen standen meine beiden verzweifelten, tränenüberströmten Kinder. Kurze Zeit später konnten sie der Anziehungskraft des Aufzuges erneut nicht widerstehen.
Abschied von Selb und einem spannenden Nachmittag. Unser Campingplatz der Wahl lag nur einige Meter vom Fichtelsee, einem malerischen Moorsee, entfernt.
Der See liegt inmitten eines Waldes, am gegenüberliegenden Ufer steht ein hübsches Hotel im Blockhausstil, dessen Beleuchtung durch die Bäume schimmert. Zwei – allerdings wegen Einsturzgefahr gesperrte – geschwungene und gar nicht so alt aussehenden Fussgängerbrücken überspannen den See an einer Engstelle. Wir machten abends noch einen kurzen Spaziergang ans Wasser und ein Stück durch den intensiv nach frisch geschlagenem Holz duftenden Wald, kletterten auf einen kleinen Aussichtsturm und hielten nach Wasservögeln und anderem Getier Ausschau. Da der Campingplatz direkt am Wald liegt und der schlaue Fuchs verstanden hat, dass es in der Nähe von den dort nächtigenden Menschen leckere Dinge gibt (und seien es Schuhe, die als Spielzeug verschleppt werden können) gab es eine klare Anweisung, Mülltüten und eben auch Schuhe nicht vor Zelten oder Wohnwägen liegen zu lassen. Allerdings ist mir ausser einer Kröte, deren Straßenüberquerung ich ein wenig beschleunigte, kein Wildtier auf meinem abendlichen Spülspaziergang begegnet.





Liebe WeltReisende, oh Ihr habt es entdeckt - das Waldhotel im Fichtelsee ! Ein Geheimtipp, ich denke wenn es dort einen Kaffee in der Sonne gibt - ich bin in Oberbayern - echt schee. Merci für den Ein-Blick in das Porzellan-Museum, daran bin ich stets vorbeigefahren -perfekt das Foto mit dem Kampf von Ferdi gegen die. Mächte von Black + White: wer hat gewonnen...? Viel Spass am Meer :-)
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